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Inhaltsbereich: Interview mit Annett Louisan

Interview mit Annett Louisan

Annett Louisan in Sierra Leone
Annett Louisan reiste gemeinsam mit TransFair und der Welthungerhilfe im Februar 2011 nach Sierra Leone

"Diese Reise hat mir die Augen geöffnet"

Vom 4. bis 8. Februar 2011 besuchte die Musikerin Annett Louisan Sierra Leone. Gemeinsam mit TransFair und der Welthungerhilfe reiste die Fairtrade-Botschafterin in das westafrikanische Land, um sich direkt vor Ort ein Bild von der Kakaoproduktion zu machen. Kakao zählt auch in Sierra Leone zu den wichtigsten Exportprodukten. Nach Ihrer Reise stand Sie uns für ein kurzes Interview zur Verfügung.

TransFair: Frau Louisan, Sie waren gerade als Fairtrade-Botschafterin fünf Tage in Sierra Leone. Mit welchem Gefühl sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt? 

Annett Louisan: Es war meine erste Reise nach Afrika überhaupt. Und es war unglaublich beeindruckend. Ich war fasziniert von der Schönheit des Landes. Alles ist grün und fruchtbar. Ich bin aufrichtigen und stolzen Menschen begegnet. Dennoch ist die Armut überall sichtbar. Auch die Auswirkungen des Bürgerkriegs, der seit fast zehn Jahren zu Ende ist, kann man noch spüren. Man kann sehen, wie sehr die unglaubliche Gewalt, die damals ausgeübt wurde, das Land bis heute prägt. In den Gesichtern der Leute konnte ich eine gewisse Traurigkeit wahrnehmen. Das macht einen schon sehr nachdenklich. Die eigenen Probleme treten ganz schnell in den Hintergrund.

Sie haben mehrere Kakao-Kooperativen besucht, die bald das Fairtrade-Siegel erhalten sollen. Wie haben Sie die Arbeitsbedingungen wahrgenommen?

Es ist beeindruckend, wie hart die Leute auf den Feldern oder mitten im Regenwald Kakao, Kaffee und Reis anpflanzen. Ohne High-Tech, nur mit den einfachsten Werkzeugen. Das hat mich ordentlich durchgerüttelt. Nach dem Bürgerkrieg hat es offenbar sehr lange gedauert, bis die Farmer zurück in ihre Dörfer gegangen sind. Die Plantagen sind daher zum Teil in einem schlechten Zustand. Die Erträge und die Qualität des Kakaos könnten viel besser sein. Aber ich habe gemerkt, dass die Bauern den Willen und den Ehrgeiz haben, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern. Dennoch darf man nicht vergessen, dass das Land gleichsam bei null anfängt. Und dafür braucht es auch unsere Hilfe.

Impressionen von Annett Louisan´s Reise nach Sierra Leone

 

Das Bildungsniveau in Sierra Leone ist niedrig, über 70 Prozent der Menschen sind Analphabeten. Glauben Sie, dass die Bauern wirklich wissen, was Fairtrade bedeutet?

Vielleicht wissen nicht alle, warum westliche Konsumenten Wert auf ein Fairtrade-Siegel beim Kauf einer Tafel Schokolade legen. Die Bauern wissen aber genau, dass sie auf diese Weise für ihre Produkte bessere Preise bekommen. Das Land hat alles, was es braucht. Jetzt muss es schnell zurückfinden zu alter Stärke, um am Weltmarkt wieder mitmischen zu können. Gleichzeitig müssen die Bauern darin vertrauen können, dass ihnen marktübliche Preise für ihre Produkte gezahlt werden. Vor Ort haben wir erfahren, dass viele Farmer in den Hungermonaten ihren kostbaren Kakao zu gleichen Mengen gegen wesentlich billigeren Reis eintauschen, um in der Not ihre Familien zu ernähren. Das muss sich ändern. Hier kann Fairtrade einen erheblichen Beitrag leisten.

Annett Louisan singt in Sierra Leone

Sie sind seit anderthalb Jahren Fairtrade-Botschafterin. Wie kamen Sie auf die Idee?

Darauf hatte mich Jim Rakete gebracht, der die Kampagne für Transfair fotografiert hat. Und weil ich selbst gerne nasche, habe ich entschieden, mich vor allem für den fairen Handel mit Kakao einzusetzen. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang nicht genau wusste, worum es geht. Ich habe mich dann mit auch mit dem Engagement von Daniel Brühl und Cosma Shiva Hagen beschäftigt, die ebenfalls Fairtrade-Botschafter sind. Und ich habe natürlich lange mit Fairtrade-Chef Dieter Overath geredet. Doch wirklich die Augen geöffnet hat mir erst diese Reise.

In Sierra Leone arbeiten Transfair und Welthungerhilfe zum ersten Mal überhaupt zusammen. Empfinden Sie diese Kooperation als sinnvoll?

Ich bin selbst ein Team-Player. Und ich bin der Meinung, dass man sein Wissen zusammentragen sollte. An den Kooperativen, die wir besucht haben, konnte man sehen, dass die Kombination durchaus Sinn macht. Nur wenn man zusammenarbeitet, kann auch schnell viel entstehen.

Sie haben soeben Ihr neues Album aufgenommen. Im Herbst gehen Sie mit „In meiner Mitte“ auf Tour. Werden Sie das Publikum an Ihrem Afrika-Erlebnis teilhaben lassen?

Ich habe mir in Sierra Leone zwei typisch afrikanische Kleider schneidern lassen. Ich habe vor, sie auf dem einen oder anderen Konzert zu tragen und die Geschichte dazu zu erzählen. Ich habe festgestellt, dass manche Leute nicht einmal wissen, dass Sierra Leone in Afrika liegt. Das möchte ich ändern. Außerdem habe ich mir vorgenommen, auch dort ein Konzert zu geben. Das wäre ein Signal dafür, dass wir im Westen auch an einem kulturellen Austausch interessiert sind. Das wäre ein tolles Erlebnis, auch wenn wahrscheinlich keiner versteht, was ich singe.

 

Links:

Reise-Blog aus Sierra Leone von Dieter Overath (Geschäftsführer TransFair e.V.)

Portrait: Annett Louisan

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