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Inhaltsbereich: Interview Jim Rakete

Interview mit Fotograf Jim Rakete

Fotograf Jim Rakete. Bildnachweis: Santiago Engelhardt

„Jeder kann den Markt steuern“

Fotograf Jim Rakete hat für eine Kampagne des Kölner Vereins TransFair Prominente in Szene gesetzt. Im Interview spricht er über den Fairtrade-Gedanken, falsche Betroffenheit und Genuss mit gutem Gewissen.

Jim Rakete, Sie haben für TransFair prominente Menschen fotografiert. Warum?    
Ich bin Feuer und Flamme für die Fairtrade-Idee, weil unser Konsumverhalten in der Konsequenz vieles bewegen kann. Es kann den Marktplatz Europa für Afrika zu fairen Bedingungen öffnen. Ebenso kann es helfen, Kinderarbeit einzudämmen. Die Prominenten, die das in der Kampagne vertreten, denken genauso.  

Posiert haben unter anderen Jürgen Klopp, Daniel Brühl und Karoline Herfurth. Wie sind Sie gerade auf die gekommen?
Wir mussten keinem von ihnen nachlaufen, weil sie alle selbst sehr engagierte Personen sind. Hannes Jaenicke zum Beispiel setzt sich seit Jahren für bedrohte Tierarten ein. Cosma Shiva Hagen hat selbst schon Baumwoll-Bauern in Burkina Faso besucht. Sie setzen also ihre Glaubwürdigkeit ein für den Fairtrade-Gedanken, und die ist ja auch ein Teil ihrer Popularität. Man kann in Deutschland auch prominent sein, weil man sich für die richtigen Sachen einsetzt, statt sich durchsponsorn zu lassen. Der größere Teil der so genannten Prominenten ist sehr viel engagierter als man denken könnte. Was mir wirklich schlechte Laune macht, ist oftmals die ironische Reaktion, das alles Gutmenschentum zu nennen. Soll man es lassen, weil es gut ist? Wie töricht wäre das?

Ist es schlecht, ein Gutmensch zu sein?
In unserer Gesellschaft ist das doch längst ein Schimpfwort. Wir haben irgendwann angefangen, den Idealismus zu diskreditieren, ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Keine Ahnung warum, aber uns scheinen Zyniker mittlerweile mehr zu liegen als aufrichtige Menschen. Es ist eine bequeme Haltung, sich über alles lustig zu machen.

Es scheint, als würden Sie aus Erfahrung sprechen.
Ich habe mich in den 1980er Jahren stark für Afrika engagiert. Damals habe ich den  Beitrag der deutschen Rockmusiker zu BandAid und zum Benefizkonzert „Live Aid“ gemanagt, das zugunsten von Äthiopien parallel in London und Philadelphia stattfand. Das war auch die Zeit, wo man anfing über Leute zu lästern, die im Dritte-Welt-Laden einkaufen. Aber was bitteschön ist falsch daran, sich für die Sache einzusetzen, die man gut findet? Wieso müssen manche Leute ein solches Engagement permanent schlecht machen? Das ist ebenso wenig hilfreich, wie die Dritte Welt ausschließlich mit hungernden Kindern zu bebildern.

Also weg von der Betroffenheit?
Die Bilder von hungernden Menschen oder ausgebeuteten Arbeitern in Dritte-Welt-Ländern haben über die Jahre abgestumpft. Diese Art der Erschreckung hilft nicht mehr. Wir müssen die Leute da abholen, wo sie sind. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der Genuss eine große Rolle spielt. Wenn ich Annett Louisan mit fair gehandelter Schokolade in einer Badewanne am Potsdamer Platz fotografiere, dann hat das eine klare Botschaft: Ich kann konsumieren, genießen und das mit gutem Gewissen. Ich weiß, dass die Menschen, die den Kakao für die leckere Schokolade angepflanzt und geerntet haben, für ihre Arbeit gerechte Löhne erhalten. Und das kann man ganz leicht erkennen: Am Fairtrade-Siegel auf der Verpackung. Es ist ein Zeichen, hinter dem sehr viel steht.

Was bedeutet für Sie persönlich Fairtrade?
Es ist ein Zeichen dafür, dass man selbst in den Kampf um gerechtere Märkte eingreifen kann. Meistens fühlt man sich der Globalisierung nur ausgeliefert. Man fühlt sich machtlos. Dabei kann jeder den Markt ein stückweit steuern. In Berlin zu Beispiel bekommen Sie an jeder Ecke fair gehandelte Produkte. Sie müssen es nur wollen. Selbst Starbucks oder Ben & Jerry’s bieten das inzwischen an. Wer auf das Fairtrade-Siegel achtet, hat schon einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit in der Welt geleistet.

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