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Fairtrade-Kampagne - Making-of

Ein faires Bad im Rohstoff
Mehr als ein Jahr lang hat Jim Rakete für eine neue Foto-Kampagne des Kölner Vereins TransFair Prominente vor die Linse geholt. Sein letztes Model war Schauspielerin Karoline Herfurth – und die musste in die Kiste.
Die Sonne steht noch tief über dem Kreuzberger Landwehrkanal. Es ist ein friedlicher Sonntagmorgen im Juli und Berlin schläft den Rausch einer herrlichen Sommernacht aus. Am Tempelhofer Ufer dringen die Sonnenstrahlen durch die Oberlichter des Ateliers von Jim Rakete und brechen sich an den silbernen Stahlstreben an der Decke. Unten am Boden räkelt sich im Lichtspiel Karoline Herfurth leicht bekleidet in einer geleimten Kiste aus Fichtenholz. Sie blickt andächtig auf einen Fetzen afrikanischer Roh-Baumwolle. „Toller Stoff“, sagt die Schauspielerin und grinst. Rakete lässt die Kamera klackern.
Karoline Herfurth: Einsatz in Faritrade-Baumwolle
Karoline Herfurth, 26, ist das letzte Model für die erste Auflage einer neuen Fairtrade-Kampagne, die am 20. August in vielen deutschen Städten startet. An diesem Sonntagmorgen im Juli radelte die Ost-Berlinerin kurz rüber ins Studio von Jim Rakete, ein Hinterhof-Schmuckkästchen am Tempelhofer Ufer. Weil die Schauspielerin leidenschaftlich gerne shoppen geht, wollte der Star-Fotograf die neue Botschafterin für den Fairen Handel in unbehandelter Baumwolle ablichten. „Das ist mal ein echtes Fashion-Statement“, witzelt der grauhaarige Kult-Knipser, der in den 80er Jahren auch als Musik-Manager sein Geld verdiente und mit Stars wie Nena, Nina Hagen und Spliff durch die Lande tourte.
Insgesamt setzte Rakete acht Prominente für den Kölner Verein TransFair in Szene. Über ein Jahr lang hat der 59-Jährige an der Aktion gearbeitet. „Es mussten die richtigen Leute sein“, sagt er und rührt in seiner Tasse Kaffee. „Und die haben wir gefunden. Es war wichtig, dass sie mit ihrem Charakter unverfälscht hinter der Sache stehen.“ Die Bildsprache sollte eingängig sein, jeder Prominente an einem Ort fotografiert werden, an dem er sich wohlfühlt. Und natürlich Schwarz-Weiß, „weil es eine zeitlose Ästhetik ist“, sagt Rakete.
Bildergalerie - Making-of Bilder mit Karoline Herfurth







Von Energiespendern, Genussmenschen und Querdenkern
Nun mampft auf den Bildern „Energiespender“ Jürgen Klopp eine Banane in der Südkurve des Dortmunder Westfalen-Stadions. Cosma Shiva Hagen schlürft als „Querdenkerin“ einen Fruchtcocktail am Hamburger Hafen, Daniel Brühl ist der Kaffee trinkende „Fragensteller“ auf einem Regie-Stuhl, Annett Louisan vergnügt sich als „Genussmensch“ mit Schwamm und Schokoriegel in einer schaumgefüllten Badewanne am Potsdamer Platz. „Das war vielleicht das aufregendste Shooting, weil wir nicht wussten, wie die Leute reagieren“, sagt Rakete. „Aber Berlin hat inzwischen London-Qualität. Die Menschen gucken zwar, bleiben aber nicht mehr stehen.“
Die modebewusste Karoline Herfurth wiederum posiert an diesem Morgen als „Stoffwechslerin“ vor der Linse. „Früher dachte ich bei fair gehandelter Kleidung an nicht gerade modische Bio-Klamotten“, gesteht die nebenberufliche Studentin der Politik und Soziologie. „Aber heute habe ich gelernt, dass man mit der Einstellung echt hinterher ist. Mode und Fairtrade muss kein Widerspruch sein. Das ist eine tolle Entdeckung.“ Vor ein paar Monaten erst hatte Rakete sie gefragt, ob sie sich für den Fairen Handel von ihm ablichten lasse. Spontan sagte sie zu. „Es war für mich keine Frage. Ich kenne das Siegel von vielen Produkten und versuche beim Einkaufen darauf zu achten“, erzählt die grazile Rothaarige, die es mit Filmen wie „Crazy“ und „Das Parfum“ zu internationalem Ruhm brachte. Es gelinge ihr nicht immer, räumt sie ein. Manchmal sei man eben einfach zu faul, ein Café zu suchen, das fair gehandelte Bohnen anbietet. „Aber ich versuche jeden Tag ein besserer Konsument zu werden. Auch wenn man sich ab und an ermahnen muss.“
Fairtade in Deutschland auf Erfolgskurs
Im Vergleich zu Österreich oder der Schweiz hat Deutschland in Sachen Fairer Handel in der Tat noch Nachholbedarf. Dennoch zeichnet sich auch hierzulande allmählich ein deutlicher Sinneswandel ab. Seit 2003 hat TransFair den Umsatz zwischen Ostsee und Alpen verfünffacht. Jeder zweite Konsument kennt inzwischen das blau-grüne Fairtrade-Siegel.
„Nach England ist Deutschland der dynamischste Markt in Europa“, sagt Dieter Overath. Der quirlige Mitgründer und heutige Geschäftsführer von TransFair hat vor allem der Discount-Mentalität den Kampf angesagt. „Gerade in diesen Zeiten haben die Menschen die Nase voll von schnellen, unethischen Geschäften“, sagt er. „Den Leuten ist die Dritte Welt eben nicht egal.“ Das hätten mittlerweile auch die Global Player begriffen.
Nach Lidl und dem Eishersteller Ben & Jerry’s haben die Kölner seit kurzem einen weiteren namhaften Neuzugang zu verzeichnen: Seit Januar 2010 schenkt auch die US-amerikanische Kaffeehaus-Kette Starbucks fair gehandelten Espresso in ihren Filialen aus.
Über dem Tempelhofer Ufer hat die Sonne den Zenit erreicht und verwandelt Berlin einmal mehr in einen Glutofen. Zufrieden hat Jim Rakete seine Leica S2 zur Seite gestellt und rührt vor der Backsteinkulisse seines Hinterhofs in einer Kaffeetasse. Karoline Herfurth indes zupft sich die letzten Baumwoll-Fetzen vom Leib und lässt sich vor dem mit Glühbirnen gerahmten Schminkspiegel über die Wertschöpfungskette des Rohstoff-Handels in der Dritten Welt aufklären. Für die Schauspielerin soll es keine einmalige Aktion bleiben. „Ich finde das eine großartige Aufgabe. Ich überlege mir sehr genau, was ich unterstützen möchte“, sagt Herfurth. Schon jetzt freue sie sich auf ihre nächste Mission, als Fairtrade-Botschafterin. Den nächsten Termin hat sie schon: Am 5. Oktober moderiert der kesse Filmstar den zweiten „Fairtrade-Award“ im Berliner Ellington Hotel. Bestimmt in fair gehandelter Abendgarderobe.
